Scheidung

Gegen 50% der Ehen werden heutzutage wieder geschieden. Meistens ist dies ein Ereignis, das auf allen Seiten Schmerz, Trauer, Wut und Enttäuschung auslöst und zurücklässt. Ein wichtiger Auftrag der Seelsorge ist es, Menschen in diesem tief gehenden Prozess zu begleiten. Schmerzhafte Erfahrungen sollen verarbeitet werden, damit neue Wege eröffnet werden können.

Die katholische Kirche nimmt das Eheversprechen vor Gott und jedes Ja-Wort, wo und in welcher Form auch immer es gegeben wird, so ernst wie die Zusage Gottes an die Menschen selbst: beide gelten unbedingt. Zudem verlangt die Liebe selbst nach Verbindlichkeit und Dauer. Dies ist eine Seite. 

Die andere Seite ist: Scheitern und Zerbrechen von Partnerschaften gehören zur Wirklichkeit – und wollen ernst genommen und behutsam begleitet werden. „Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein“ (Bibel, Joh, 8,11). SeelsorgerInnen wissen um die Not und Verzweiflung, die mit einer Trennung und Scheidung einhergehen. Ein christliches Verständnis von Begleitung und Mitmenschlichkeit verlangt danach, niemanden zu verurteilen sondern gemeinsam Mittel und Wege zu finden, um sich mit sich (und, wenn es möglich ist: auch mit dem/der geschiedenen PartnerIn) zu versöhnen und den eigenen Lebensweg selbstverantwortet zu gehen. Viele Menschen, die eine Scheidung durchgemacht haben, gehen aus diesem Prozess geprägt - und gestärkt hervor. Und viele Menschen, die eine Scheidung hinter sich haben verlieben sich auch wieder und gestalten eine neue verbindliche Partnerschaft. Es ist Aufgabe der Seelsorge, solche Lebensprozesse achtsam zu begleiten und Formen zu finden, die Gottes Zusage von Stärkung und Mitgehen auf geeignete Weise ausdrücken. Siehe auch unter Segensfeier bei Wiederverheirateten.