Kirchlich heiraten

Wollen Sie kirchlich heiraten und fragen sich, wie das geht?
Dann finden Sie hier die Merkpunkte für die Schritte zur kirchlichen Trauung und Antworten zu Fragen zur kirchlichen Trauung.
Bitte anklicken:

Konkrete Schritte zur kirchlichen Trauung

1. Finden einer Seelsorgerin oder eines Seelsorgers für die Trauung

Erster Ansprechpartner für eine kirchliche Trauung ist das Pfarramt Ihrer Wohngemeinde. Melden Sie sich bei Ihrem Pfarramt. Dieses wird Ihnen dann eine Seelsorgerin/einen Seelsorger Ihrer Pfarrei mitteilen, die/der mit Ihnen Kontakt aufnehmen wird.
Wenn Sie eine bestimmte Person aus der Seelsorge möchten, dann nehmen Sie mit dieser Person direkt Kontakt auf und fragen Sie sie an, ob sie Ihre Trauung leiten kann.
Besprechen Sie nun mit der zuständigen Seelsorgerin oder dem zuständigen Seelsorger das weitere Vorgehen wie Datum und Ort der Trauung und Datum für ein Traugespräch (vgl. Punkt 3).

2. Finden einer Kirche

Eigentliche Trauungskirche ist die Kirche der Pfarrei, in der Sie wohnen. Wenn Sie an Ihrem Wohnort kirchlich heiraten, kann dies Ihnen die Chance bieten, den Kontakt zu Ihrer Pfarrei zu pflegen. Es kann aber auch sein, dass Sie zu einer anderen Kirche einen Bezug haben und Sie lieber dort heiraten möchten. Wenn Sie sich als Paar für eine Kirche entschieden haben, nehmen Sie mit dem entsprechenden Pfarramt Kontakt auf und melden Ihren Wunsch an, in dieser Kirche zu heiraten. Fragen Sie beim Reservieren einer Hochzeitskirche:

  • nach dem Blumenschmuck,
  • nach der Person, welche die Orgel spielen wird (Adresse gleich notieren, für das Gespräch mit der Pfarrperson, die Sie trauen wird),
  • nach den Kosten. Wenn Sie sich in Ihrer Wohngemeinde trauen lassen, steht Ihnen meist alles (evt. ausser dem Blumenschmuck) gratis zur Verfügung. Wenn Sie "auswärts" heiraten, müssen Sie sich in der Regel an den Spesen für Kirche, MessmerIn, OrganistIn u.a. beteiligen.
  • nach Trauungen vor und nach Ihrer Feier.
  • nach besonderen Bestimmungen.

 

3. Traugespräch und Mitgestaltung der Hochzeit

3.1. Inhalt des Gesprächs
Die/der SeelsorgerIn, die Sie trauen wird, wird mit Ihnen das so genannte Traugespräch durchführen. Dabei geht es:
ums gegenseitige Kennenlernen,
um einen Austausch über das Verständnis von „kirchlich Heiraten“ und um Fragen der Ehe,
um die Vorbereitung der kirchlichen Trauung (Inhalt, Ablauf),
und um das Ausfüllen des amtlichen Ehedokuments, das nach der Trauung in Ihrem Pfarramt archiviert wird.

3.2. Benötigte Dokumente
Die/der SeelsorgerIn, welche/r die Trauung leitet, ist verpflichtet, vor der Trauung das Dokument des Standesamtes (Familienbüchlein) einzusehen. Folgende Dokumente brauchen Sie für die Anmeldung zur katholischen Trauung und sollten Sie zum Traugespräch mitbringen:
Taufschein: Der Taufschein ist ein Auszug aus dem Taufbuch der Taufpfarrei mit Taufdatum und (falls gefirmt) Firmdatum. Zu beziehen bei der Taufpfarrei.
Kopie des Ziviltrauscheines: Falls schon vorhanden. Ansonsten senden Sie bitte eine Kopie des Ziviltrauscheins nach der Ziviltrauung an das Wohnortspfarramt.

3.3. Mitgestaltung der Hochzeit
Geben Sie Ihrer Hochzeit eine persönliche Note! Sie sind eingeladen, Ihre Trauung in Absprache mit der Seelsorgerin/dem Seelsorger so mitzugestalten, damit die Feier wirklich Ihre Trauung wird. In den Impulstagen für Hochzeitspaare werden Ihnen u.a. der Ablauf der Trauung und Gestaltungsmöglichkeiten aufgezeigt. Dies erlaubt Ihnen, sich in Vorbereitung auf das Traugespräch Gedanken zu machen, wie Sie Ihre Hochzeit gerne feiern möchten. Die SeelsorgerInnen nehmen Anregungen des Hochzeitspaares für die Trauung gerne auf. Da die SeelsorgerInnen den Gottesdienst als Leiterin/Leiter letztlich verantworten ist es sinnvoll, in der Gestaltung des Hochzeitsgottesdienstes eng zusammenzuarbeiten.

4. Ehevorbereitungskurs / Impulstag für Hochzeitspaare
Zitat einer Kursteilnehmerin: „Der Tag hat uns gut getan, weil wir uns in aller Ruhe für uns selber Zeit nehmen konnten, um persönliche Fragen rund um unsere Partnerschaft und Trauung vertieft anzuschauen. Im Hochzeitsvorbereitungsstress geht das sonst fast ganz unter!»
Die Impulstage bieten den Hochzeitspaaren eine Gelegenheit, sich persönlich auf den gemeinsamen Weg in Ehe und Partnerschaft vorzubereiten. Dabei geht es um allgemeine Fragen der Partnerschaft und um die konkrete Vorbereitung der Hochzeit. Fachleute vermitteln Anregungen zur lebendigen Gestaltung einer Beziehung. Ein Impulsheft mit Texten, Gedanken und Gedichten gibt Ideen zur Gestaltung des Trauungsgottesdienstes und zum Entdecken der religiösen Dimension einer Partnerschaft. Bereichernd ist dabei das Gespräch untereinander und mit anderen Hochzeitspaaren. Im Bistum St. Gallen (Kantone SG, AR und AI) finden in allen Regionen und zu verschiedenen Zeiten solche Impulstage statt. Infos HIER.

Die konfessionsverbindende und die interreligiöse Ehe

Die konfessionsverbindende Ehe

Bei mehr als der Hälfte der Hochzeitspaare in der Schweiz haben Mann und Frau nicht dieselbe Konfession. Die konfessionsverbindende Ehe (z.B. zwischen einer reformierten Frau und einem katholischen Mann) ist somit für viele eine Selbstverständlichkeit. Die römisch-katholische, reformierte und christkatholische Kirche erkennen die Trauungsformen gegenseitig an.
Auf Wunsch der Brautleute können sich SeelsorgerInnen der römisch-katholischen und der reformierten Kirche gemeinsam an einer Trauung beteiligen. Es ist aber auch möglich, dass ein einzelner Seelsorger oder eine einzelne Seelsorgerin diese Trauung leitet, auch wenn keine Vertretung der anderen Konfession mitwirkt.
Nehmen Sie mit dem für Sie zuständigen Pfarramt Kontakt auf oder mit einer Seelsorgerin/einem Seelsorger Ihres Vertrauens und besprechen Sie das weitere Vorgehen.

Die interreligiöse Ehe

Interreligiöse Ehen gehören heute in der Schweiz zum Alltag. Hochzeitspaare mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit (z.B. Muslim – Christin) heiraten aber meist nur zivil. Eine religiöse Trauzeremonie, in der zwei Religionen gleichberechtigt berücksichtigt werden, ist nicht möglich. Die Kirchen ermutigen statt dessen dazu, als Christin oder als Christ die eigene Glaubensüberzeugung zu leben und diejenige des Partners/der Partnerin zu achten. Auf dieser Basis ist auch eine christliche Trauung möglich, wenn ein gemischt-religiöses Paar dies wünscht. Nehmen Sie mit Ihrem Pfarrramt oder einer Seelsorgeperson Ihres Vertrauens Kontakt auf um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Zudem gibt es verschiedene Beratungsstellen unter www.binational.ch
darunter die Beratungsstelle „Familienberatung“ in St. Gallen, www.familienberatung-sg.ch

Eheschliessung und Familiengründung

Da die Heirat oft ein Schritt zur Familiengründung ist oder bereits Kinder da sind, kommen manchmal bei der Hochzeit auch Fragen nach dem (späteren) religiösen Leben als Familie ins Blickfeld: In welcher Konfession respektive Religion sollen allenfalls die Kinder erzogen werden? Die katholische Kirche vertritt den Standpunkt, überzeugte ChristInnen sollten dafür eintreten, dass ihre Kinder in ihrem eigenen Glauben getauft und erzogen werden. Von dieser Pflicht können sie grundsätzlich nicht dispensiert werden. Dabei ist aber zu bedenken, dass die Entscheidung über Taufe und religiöse Erziehung Recht und Pflicht beider Eltern zu gleichen Teilen ist. Die Überzeugung der Eheleute darf die Ehegemeinschaft nicht gefährden. Die Kirchen erachten es als sinnvoll, dass Brautleute sich vor der Eheschliessung klar werden, in welcher kirchlichen Bindung sie ihre Kinder erziehen wollen. Entscheiden sollen sie nach ihrem Gewissen und mit Rücksicht auf die Anforderungen ihrer Kirche oder Religion.

 

Und wenn man schon einmal verheiratet war?

Die katholische Kirche nimmt jedes Eheversprechen, wo und in welcher Form auch immer es gegeben wird, so ernst wie die Zusage Gottes an die Menschen selbst: beide gelten unbedingt. Das Eheversprechen ist daher nicht aufkündbar. Dem entsprechend ist eine Scheidung und Wiederverheiratung nach katholischem Verständnis grundsätzlich nicht möglich. Dennoch kann es Fälle geben, in denen eine kirchliche Trauung möglich ist, auch wenn ein Partner oder beide schon einmal verheiratet waren. In jedem Einzelfall ist dann sorgfältig zu prüfen, ob diese erste Ehe nach katholischem Verständnis und Kirchenrecht gültig zustande gekommen war. Weil die katholische Kirche vom hohen Wert der Ehe überzeugt ist, nimmt sie diese Prüfung sehr ernst – und räumt ihr viel Zeit ein. Die Klärung des Sachverhaltes geschieht auf dem Weg eines objektiven kirchenrechtlichen Verfahrens, das in der Regel zwei Jahre dauert. In der Fachsprache redet man bei einem solchen Prozess von einem „Ehe-Nichtigkeitsverfahren“.
Ansprechpartner für das Vorgehen ist jeder Seelsorger oder jede Seelsorgerin oder direkt das bischöfliche Offizialat („Gericht“) des Bistums St. Gallen: Bischöfliches Offizialat, Klosterhof 6a, 9000 St. Gallen, Tel: 071 227 34 70

Segensfeier bei Wiederverheirateten

Falls Sie (oder Ihre Partnerin/Ihr Partner) kein Ehe-Nichtigkeitsverfahren anstreben wollen, Ihre neue Ehe jedoch trotzdem in einer Segensfeier unter den Schutz und Segen Gottes stellen wollen, dann steht es Ihnen offen, mit einer Seelsorgerin oder einem Seelsorger Kontakt aufzunehmen um die weiteren Schritte zu einer solchen Feier zu besprechen. Weitere Informationen dazu finden Sie HIER.

Kirchlich heiraten: Ein paar Gedanken zum Hintergrund

Sie machen sich Gedanken, ob Sie kirchlich heiraten wollen? Dann finden Sie hier einige Darlegungen, die Ihnen helfen, Fragen rund um den Sinn einer kirchlichen Trauung zu klären.

Vom Sinn der Ehe

Heutzutage ist es möglich, auswählen zu können – das Beste, Schönste usw. und sein zu lassen, was nicht mehr so gefällt. Was heute „in“ ist, ist morgen vielleicht schon wieder „out“ und nicht mehr in Mode. Dem gegenüber steht die Ehe mit ihrer Verbindlichkeit: In der Trauung schenke ich mein definitives Ja – ich nehme dich so an, wie du bist, und ich lasse dir auch die Möglichkeit, dich zu verändern. Ich nehme dich auch dann an, wenn du mürrisch, krank oder schwach bist – „in guten und in schlechten Tagen“. Ich darf mich darauf verlassen: du stehst zu mir, du bist mir treu. Das gibt Vertrauen und damit den Boden für die Beziehung und Partnerschaft. Dieses grundsätzliche „JA“, diese Zusage schenkt mir den Boden, so zu sein, wie ich bin – und so zu werden, wie Gott mich von Anfang an gemeint hat mit allen meinen Fähigkeiten.

Von der Treue

Treue meint nicht nur „sexuelle“ Treue sondern ein grundsätzliches „Ja, ich will mit dir gehen und alt werden“. In der Trauung schenkt sich ein Paar die Bereitschaft, an seiner Beziehung zu arbeiten und sie auch durch schwierige Zeiten durchzutragen. „Ich möchte mein Leben mit dir gestalten, mich in Auseinandersetzung mit dir entwickeln. Ich möchte dich auf deinem Weg unterstützen und begleiten.“ Treue ist also nicht ein stures Festhalten an Bildern und Vorstellungen „du musst so bleiben wie du jetzt bist“ – sondern ein dynamisches „ich will mit dir gehen durch alle Höhen und Tiefen des Lebens“ und „ich will dir treu sein durch alle Veränderungen hindurch.“
Treue heisst auch, einander immer wieder zu verzeihen, immer wieder den Weg zueinander suchen. Dies braucht Engagement, Arbeiten an sich und am Miteinander.

Die Ehe ist ein Sakrament

In der Liebe zwischen Frau und Mann zeigt sich die Liebe Gottes zu den Menschen – wird Gottes Liebe erlebbar. Die Ehe ist eines der sieben katholischen Sakramente. Ein Sakrament ist ein sichtbares und erlebbares Zeichen für Gottes Liebe und Zuwendung zu den Menschen.
Die christliche Tradition lehrt uns: Gott liebt die Menschen, so wie sie sind. Gott ist treu und Gott nimmt die Menschen immer wieder an, auch wenn sie ihn aus den Augen verlieren. In der Ehe schenken einander zwei Menschen genau diese Liebe, Treue und Vergebungsbereitschaft. Wo dies geschieht, geschieht Gottes Zusage zu den Menschen, geschieht also mehr als menschliches Tun. So hat die menschliche Beziehung auch eine religiöse Dimension. Erde und Himmel werden verbunden.
Das Ehepaar spendet einander gegenseitig das Sakrament – nicht die Seelsorgerin oder der Seelsorger. Mann und Frau trauen sich! Aufgabe des Seelsorgers/der Seelsorgerin ist es „nur“, im Namen der Kirche das gegenseitige Versprechen der EhepartnerInnen entgegenzunehmen und von den Anwesenden bezeugen zu lassen.

Die Segnung des Ehepaares: Zusage und Auftrag

Segnen bedeutet: Gott sagt Ja zu dieser Ehe und spricht dem Paar Gutes zu auf seinem Weg. Gott selber ist die verbindende Kraft in der Beziehung. Schon Abraham und Sarah, die Urahnen des jüdischen Volkes, wurden gesegnet, damit sie selber zum Segen wurden für andere. Paare können einander immer wieder zum Segen werden – in einem zärtlichen, achtvollen Umgang miteinander, beim Zuwenden, Anteil-Nehmen aneinander. Segnen kann man ganz konkret durch Berührungen – mit Weihwasser, mit Öl – oder einfach so mit der Hand und/oder mit Worten.

Gott hat etwas mit unserer Beziehung zu tun

Gott hat etwas mit der Paar-Beziehung zu tun. Der christliche Gott ist ein Gott der Beziehung (Dreifaltigkeit!), oder, wie einmal die Theologin Carter Heyward geschrieben hat: Gott ist Beziehung. In Beziehung treten und in Beziehung-Sein lässt Gott „zur Erde kommen“. Von daher hat jede achtsame Beziehung auch eine religiöse Dimension – weil sie Gottes Umgang mit den Menschen aufzeigt und merkbar macht. Durch unsere Berührungen und Beziehungen wird Gott im Alltag Wirklichkeit. Wer respektvoll und achtsam mit sich und seiner Partnerin/seinem Partner umgeht und die Beziehung gestaltet setzt Gottes Willen um. Kirchlich heiraten gibt dieser Tatsache einen öffentlichen Ausdruck in Wort und Tat, in Ritualen und Liedern.

Gemeinsam beten

Es braucht Mut, vom eigenen Beten einander zu berichten, weil man damit sehr intime Seiten von sich zeigt und sich damit auch verletzlich macht. Viele Menschen sind sich kaum gewohnt sind, von diesen Seiten einander zu erzählen. Wer es aber wagt, von den eigenen religiösen Anschauungen zu berichten, kann damit den gemeinsamen Boden erweitern. Wenn noch dazu gemeinsames Beten möglich ist, wird dies zu einer Kraftquelle und schafft einen Boden, der auch Krisenzeiten aushält. Gemeinsam beten kann man still nebeneinander oder laut miteinander, zu Hause, nach dem Aufwachen oder vor dem Einschlafen, draussen in der Natur, auf einer Bergspitze, in einer Kirche, in einem Gottesdienst. Zusammen eine Kerze anzünden, ein Lied hören, eine Gedenk-Ecke einrichten, sich auf eine Pilgerreise/Wallfahrt begeben und vieles andere mehr können Zeichen der religiösen Suche sein und die Weggemeinschaft stärken.

Gemeinschaft trägt mit

Kirche entsteht dort, wo Menschen sich zusammen schliessen, um einander von ihren Sorgen und Nöten, von ihren Freuden und Sehnsüchten zu erzählen und gemeinsam das Leben zu feiern. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Die Bibel, Matthäus 18,20).
Zusammen mit FreundInnen und Bekannten, mit NachbarInnen und Verwandten die Trauung zu feiern drückt dies aus – und zeigt auch auf: Ehe wird nicht nur von zwei Personen getragen sondern braucht auch die Begleitung einer ganzen Gemeinschaft – und von Gott. Einander auch nach dem Hochzeitstag nachfragen, wie es geht in der Beziehung – einander unterstützen beim Familie-Werden und –Sein und bei anderen Veränderungen in der Partnerschaft und im Familienleben.